Bericht

Hamburg Portfolio Review 2025

07.10.2025

Bericht Veranstaltung
Hamburg Portfolio Review 2025
Foto: Lee-Ann Olwage

„Hamburg Portfolio Review“ (HPR) ist ein international ausgerichteter Wettbewerb, der Kunst, Fotografie und Qualitätsjournalismus miteinander verbindet. HPR wurde gegründet, um künstlerische Fotografie und Fotojournalismus zu fördern. Beide Segmente der Fotografie stehen unter erheblichem wirtschaftlichen Druck, der sich durch die Verbreitung der künstlichen Intelligenz noch verstärkt hat. Viele Fotograf:innen können kaum noch von ihrer Arbeit leben und sind darauf angewiesen, ihre Bilder oder Geschichten auch international zu verkaufen und neue Vertriebswege zu erschließen.

Hamburg Portfolio Review bietet eine einmalige Plattform, auf der Fotograf:innen ihre Arbeiten präsentieren und wichtige Kontakte knüpfen können. Fotojournalismus ist ein wichtiger und authentischer Bestandteil unserer demokratischen Pressefreiheit. Er ermöglicht es, das Leben und die Situationen anderer Menschen sowie komplexe gesellschaftlich und politisch relevante Zusammenhänge schnell zu verstehen. Denn die Sprache der Bilder ist universell und damit eine zentrale Form internationaler Kommunikation – und genau diese stärken wir, indem wir Fotograf:innen, Bildjournalist:innen und Künstler:innen aus aller Welt mit führenden Institutionen aus Medien, Museen, NGOs und der Kulturlandschaft vernetzen.

Die Hamburg Portfolio Review leistet einen aktiven Beitrag zu Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit. Gleichzeitig ist „Hamburg Portfolio Review“ auch eine engagierte Stimme für Fotografie als Kulturgut. Diese Ziele verfolgt auch der Deutsche Fotorat, zu dessen Gründungsmitgliedern FREELENS gehört. Dabei ist HPR stets ein offener Raum, in dem neue Talente sichtbar werden können – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter oder finanzieller Situation.

Hamburg Portfolio Review 2025
Foto: Kianoush Saadati

Als kostenfreier, genreübergreifender Wettbewerb bietet HPR eine niedrigschwellige und zugleich professionelle Plattform für Austausch, Weiterbildung und nachhaltige Vernetzung. HPR wird seit 2021 jährlich neu ausgeschrieben und gewinnt international kontinuierlich an Bedeutung.

Im Jahr 2025 verzeichnete die Hamburg Portfolio Review mit 1.437 Bewerbungen aus 100 Ländern einen neuen Höchststand und unterstreicht damit eindrucksvoll ihre wachsende internationale Relevanz. Eine internationale Jury wählte 100 Finalist:innen aus, die am Review-Tag mit über 50 renommierten Expert:innen aus internationalen Medien, Agenturen und Institutionen zusammentrafen. In rund 400 digitalen Einzelgesprächen – über 13 Zeitzonen hinweg – erhielten die Teilnehmenden fundiertes Feedback und konnten wertvolle Kontakte für ihre weitere berufliche Entwicklung knüpfen. Diese persönlichen Begegnungen bilden das Herzstück der HPR und eröffnen konkrete Perspektiven für Kooperationen, Veröffentlichungen und Ausstellungen.

Ein zentraler Bestandteil der Hamburg Portfolio Review 2025 war die begleitende Ausstellung unter dem Titel „CLIMATE REALITIES – STORIES FROM A CHANGING WORLD“. Sie vereinte internationale fotografische Positionen, die sich mit den sichtbaren und unsichtbaren Folgen des Klimawandels auseinandersetzen. Im Fokus standen Themen wie der Verlust der Biodiversität, die sozialen Herausforderungen ökologischer Transformation sowie die fragile Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Die ausgestellten Arbeiten eröffneten einen vielschichtigen Dialog zwischen globalen Perspektiven und lokalen Realitäten. Sie erzählten von ökologischen Krisen, aber auch von menschlichem Widerstand, Anpassungsstrategien und visionären Ideen für eine nachhaltigere Zukunft. Damit setzte die Ausstellung ein starkes inhaltliches Zeichen und machte die Dringlichkeit ökologischer Fragestellungen eindrucksvoll erfahrbar.

Ergänzt wurde das Programm durch ein hochaktuelles Panel unter dem Titel „Climate Photography – The Line Between Evidence, Empathy and Exploitation“. Die Diskussion widmete sich einer der zentralen Herausforderungen zeitgenössischer Fotografie: der verantwortungsvollen Darstellung der Klimakrise.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie fotografische Arbeiten sowohl aufklären als auch Empathie erzeugen können, ohne dabei in ausbeuterische Bildstrategien zu verfallen. Besonders thematisiert wurden globale Ungleichheiten – etwa die Tatsache, dass die Auswirkungen der Klimakrise häufig im Globalen Süden am stärksten spürbar sind, obwohl diese Regionen am wenigsten zu ihr beigetragen haben.

Mit Luisa Neubauer (Klimaaktivistin), Lee-Ann Olwage (visuelle Erzählerin) und Christoph Koch (Leiter des Wissenschaftsressorts beim Stern) kamen unterschiedliche Perspektiven aus Aktivismus, Journalismus und künstlerischer Praxis zusammen. Moderiert wurde das Panel von Sebastian H. Schroeder. Gemeinsam diskutierten sie Fragen nach Autor:innenschaft, Verantwortung und der Rolle von Medien, NGOs und Kurator:innen bei der Gestaltung visueller Narrative. Auch die Herausforderung, Klimathemen im Kontext konkurrierender globaler Krisen sichtbar zu halten, wurde intensiv beleuchtet.

Die Canon Keynote "Stories of Environment, Belonging and Change" mit der britisch-ägyptischen Dokumentarfotografin und Canon Global Ambassador Laura El-Tantawy setzte einen weiteren inhaltlichen Höhepunkt. In ihrem Vortrag nahm sie das Publikum mit auf eine persönliche und künstlerische Reise durch ihr Werk, das sich durch eine poetische Verbindung von Identität, Zugehörigkeit und Umwelt auszeichnet.

El-Tantawys Arbeiten verbinden dokumentarische Präzision mit einer sensiblen, lyrischen Bildsprache und stellen grundlegende Fragen nach dem menschlichen Dasein in einer von Krisen geprägten Welt. Ihre Perspektive, die kulturelle und geografische Räume zwischen Ost und West verbindet, eröffnete neue Zugänge zu Themen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und gesellschaftlicher Wandel. Die Keynote inspirierte dazu, Fotografie nicht nur als dokumentarisches Medium, sondern auch als reflektierende und verbindende Kraft zu verstehen.

Das vollständig digitale und kostenfreie Format der HPR ermöglichte auch 2025 eine breite internationale Teilnahme und setzte ein klares Zeichen für Inklusion und Nachhaltigkeit. Fotograf:innen aus unterschiedlichsten Regionen und Kontexten konnten unabhängig von finanziellen oder geografischen Einschränkungen teilnehmen und sich global vernetzen.

Die Hamburg Portfolio Review 2025 festigte damit nicht nur ihre Rolle als bedeutende internationale Plattform für Fotografie und visuellen Journalismus, sondern positionierte sich zugleich als relevanter Ort für den kritischen Diskurs über die ökologischen, sozialen und politischen Herausforderungen unserer Zeit.

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